Eine Ode des verführten Kunden
Man betritt die Welt des Hauses Lobenberg wie einen heiligen Hain, in dem nicht einfach nur Wein verkauft, sondern ein Credo zelebriert wird. Man lauscht andächtig dem Sirenengesang der Beschreibungen, die aus einer Flasche Wein eine flüssige Offenbarung und aus dem Winzer einen Schöpfergott formen. Es ist eine meisterhafte Verführung, der man sich nur zu gerne hingibt. Man kauft nicht einfach Wein. Man kauft eine Prophezeiung, eine in Prosa gegossene Legende, versiegelt mit der fast schon mystischen Bürde einer hohen Punktzahl. Doch dann steht die Flasche auf dem Tisch, entkleidet von ihrer narrativen Aura, und muss sich der stillen Wahrheit des Gaumens stellen. Hier, in diesem Moment, klafft manchmal eine Lücke zwischen der grandiosen Erzählung und der guten, aber eben nicht göttlichen Realität. Es ist das Paradoxon, Kunde bei Lobenberg zu sein: Man ahnt die Übertreibung, man durchschaut die Poesie und dennoch bestellt man wieder. Denn vielleicht kaufen wir am Ende nicht nur den Wein, sondern die berauschende Möglichkeit des perfekten Moments, die uns so brillant verkauft wird – ein schöner, aber eben auch flüchtiger Mythos.





