Es gibt Medien, die sind ganz brauchbar. Ihr Programm ist ausgewogen. Ihre Sendungen unterhaltsam. Ihr Nachrichtenprogramm gibt sich Mühe, die Welt zu zeigen, wie sie ist.
Und dann gibt es AUF1.
Bereits der erste Beitrag, den ich sah, erweckt nicht mal den ungefähren EINDRUCK, Journalismus zu sein. Es war einer, der zu gefühlsduseliger Musik die mit Jahrzehnten Anlauf eingeläutete deutsche Rentenmisere behandelt. Der Sprecher propagierte praktisch wortwörtlich, also nicht mal mit angedeuteter Neutralität: "Die deutsche Regierung verschenkt Geld an alle, bloß für deutsche Rentner hat sie nichts übrig." Dazu gefühlsduselt die Musik weiter. Und der Film spult Stock-Bilder aus dem Internet zum Gesagten ab, die alle Emotionen triggern wie in einer Produkt-Werbung:
Rentner, Rentnerhände mit Kleingeld, Kanzler, Kanzler mit Geld, Flüchtlinge, Flüchtlinge mit Geld.
Der nächste Beitrag zeigte einen Sprecher in einer Dunkelkammer. Alles schwarz, ominös. Dann kündigt er die Enthüllung eines "großen Geheimplans" an, wohl für den nächsten Tag. Als seien Nachrichten ein Hollywoodfilm, den es anzuteasern gilt.
Menschen, die sich als besonders systemkritisch bezeichnen, halten dies tatsächlich für " besonders kritischen Journalismus". Sie sind nicht kritisch. Sie bekommen nur kalkuliert und mit dem Holzhammer das geliefert, was sie denken. Wie Nachrichten -- bloß mit Zucker drüber. Und sie wären auch auf Denis "Aktuelle Kamera" in "Good Bye, Lenin!" reingefallen. Dreimal täglich. Mit Ansage in Boxershorts. Selbst Rudis Tagesshow wirkte seriöser, und die versuchte es nicht mal.